„Was sind meine Stärken?“

Ist diese Frage wirklich die entscheidende Frage?

Über Stärken wird viel gesprochen, geschrieben und diskutiert. Ich möchte an dieser Stelle einen etwas anderen Blickwinkel in die Diskussion einwerfen und mich mit diesem Artikel an der Blockparade von Svenja Hofert beteiligen. 

Ich hinterfrage mal, ob „Was sind meine Stärken?“ wirklich die entscheidende Frage ist. Oder sollten wir uns nicht vielmehr mit einer anderen Frage beschäftigen?

Die meisten von uns wollen doch beides: beruflichen Erfolg UND ein zufriedenes, glückliches Privat- und Familienleben, oder?

Wenn wir nun unsere Stärken kennen, erreichen wir dieses Ziel dann schneller oder einfacher?

Meine eigene, teils ziemlich schmerzhafte Erfahrung lässt mich zu einem anderen Schluss kommen. 

Ich bin überzeugt, dass die entscheidende Frage anders lautet.

Warum?

Das erläutere ich im folgenden und fange mit zwei Annahmen an, die mir persönlich sehr weitergeholfen haben. Natürlich erst, als ich sie in mein Leben integriert habe - was für meine Begriffe reichlich spät passiert ist. Ich hätte durchaus nichts dagegen gehabt, diese Annahmen weit früher in meinem Leben zu meinen positv unterstützenden Glaubenssätzen zu machen. Denn seit ich mit ihnen lebe, geht es besser.

Die erste Annahme ist eine zentrale Annahme der Neurolinguistischen Programmierung (NLP): Menschen haben alle Ressourcen in sich, die sie brauchen. 

Eine ähnliche Aussage, wird Albert Einstein zugeschrieben. Einstein soll gesagt haben, dass alle benötigten Ressourcen, um ein Problem zu lösen, immer im System vorhanden sind. 

Gehen wir von der Richtigkeit dieser Aussage aus, so bedeutet das: Wir haben alles in uns, was wir benötigen, um unsere „Aufgabe hier auf der Erde“ zu erledigen. 

Dahinter steckt natürlich die zweite, philosophische Annahme, dass unser Dasein einen Zweck erfüllt. Der Frage nach dem „Sinn des Lebens“ will ich an dieser Stelle nicht wirklich nachgehen. Das überlasse ich den Philosophen.

Sowohl bei meiner Arbeit mit meinen Klientinnen als auch aufgrund meiner eigenen Erfahrung halte ich diese Grundannahmen jedoch für sehr hilfreich, gerade wenn es um die Frage nach unseren Stärken geht.  

Denn nur mal angenommen, wir haben eine wie auch immer vorbestimmte Aufgabe und alle dazu benötigen Ressourcen sind tatsächlich in uns, dann stellt sich doch als nächstes die Frage, wie wir diese „Aufgabe“ finden. 

Steve Jobs hat im Jahr 2005 auf der Abschlussfeier der Stanford Universität diese Frage etwas anders formuliert. Er machte vor den Stanford-Absolventen daraus die Aufforderung: „You’ve got to find what you love.“

Seine Begründung fasse ich mal in meinen Worten zusammen: Wir alle wollen gute Leistung bringen und unser Bestes geben - in Steve Jobs’ Worten „great work“. Die Energie, die Kraft und die Motivation für dauerhafte Top-Leistung aufzubringen, gelingt uns nur dann, wenn wir machen, was wir wirklich lieben.

Das bedeutet doch: 

Wenn wir herausfinden, was wir wirklich lieben, haben wir alles in uns, was wir benötigen um dieser Aufgabe erfolgreich nachzugehen. 

Ich liebe Zitate. Deshalb kommt jetzt noch Henry Ford dazu. Durch Henry Ford wurde der Satz berühmt: „If you think you can or if you think you can’t anyway you are right“

Sehr frei übersetzt: Bei der Umsetzung unserer Wünsche müssen wir vor allem an uns selbst glauben. 

Natürlich brauchen wir Methoden, Vorgehensweisen und Techniken, unsere Wünsche in die Tat umzusetzen und Realität werden zu lassen. 

Wir müssen aus den Wünschen, umsetzbare Ziele formulieren. Die Ziele mit Aktionen hinterlegen. Ängste, innere Hürden und Blockaden aus dem Weg schaffen und die Aktionen anpacken. Und wir müssen die Entschlossenheit und das Durchsetzungsvermögen entwickeln und aufbringen, um all die von aussen auf uns einprasselnden Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Nicht einfach und gleichzeitig machbar. 

Der Knackpunkt liegt für mich darin, herauszufinden was wir wirklich wollen, was uns wichtig ist, was wir lieben. 

Für mich persönlich war dies die schwierigste Aufgabe. Der Rest ist Umsetzungsarbeit.

Ich habe nach jahrelangem Abrackern mit viel Zeitaufwand verstanden, dass es in meinem Arbeitsleben nicht darum geht, zu zeigen wo meine Stärken liegen und was ich kann. Vielmehr ist die entscheidende Frage: „Was will ich wirklich?“.

Diese Erkenntnis hat mich in eine mittelschwere Krise und auf eine jahrelange Suche geschickt, die einer Odyssee glich. Mehr dazu habe ich in dem Artikel „Hier bist du falsch. Hier gehörst du nicht her.“ beschrieben.

Vielleicht sollten wir daher nicht die Frage stellen „Was sind meine Stärken?“ sondern „Welche Tätigkeit liegt mir am Herzen? Was liebe ich wirklich? Was will ich wirklich?“

Ich ermuntere meine Klientinnen sich möglichst frühzeitig mit dieser Frage intensiv zu beschäftigen und zeige ihnen natürlich auch, wie ich dabei vorgegangen bin. Denn „Was will ich wirklich?“ lässt sich mit keiner Checkliste und keinem Test beantworten. Diese Antwort muss jeder in sich selbst suchen. Mit Nachdenken bin ich persönlich total gescheitert. Diese Frage braucht einen anderen Ansatz. 

Wenn wir es dann geschafft haben und eine Antwort darauf gefunden haben, geht vieles leichter. Wir können kristallklare Ziele setzen und unsere Prioritäten daran ausrichten. Angetrieben von unseren inneren Werten und unserem persönlichen WARUM schaffen wir es dann auch, entschlossen und durchsetzungsstark unseren Weg zu gehen. 

Mein Fazit: Was will ich wirklich? ist die entscheidende Frage. Selbst wenn es lange dauert, darauf eine Antwort zu finden, die Mühe und die Zeit lohnt sich.